Das
aktuelle Thema: "
Menschen mit Burnout.Syndrom coachen" -
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Vorab möchte ich klarstellen, das Coaching
grundsätzlich
nicht zur Behandlungen von Krankheiten dient und nicht als
"Therapieersatz" gelten darf. Dabei gilt auch, aus meiner Sicht, dass
ein Coach keine Diagnosen erstellt, es sei denn, er hat dafür die
Qualifikation
und die Berechtigung.
Abgesehen davon sind Diagnosen, als Ausgangsbasis für
Coachingaufträge, meiner Ansicht nach eher ungeeignet.
Denn Diagnosen sind sehr oft verbunden mit negativen
Festlegungen und Prognosen, im schlimmsten Fall solchen wie:
"Unheilbar",
"schwer behandelbar", "langwierig", "heilt nicht vollständig aus" ,
"Sie werden
immer..... müssen" etc.
Solche Vorannahmen erfüllt der Patient dann häufig
auch, was
wiederum im Nachhinein die Diagnose rechtfertigt.
Für den Coachingprozess ist das, wie ich meine , nicht
hilfreich.
Das gilt natürlich auch für das Thema "Burnout".
Der Klient bringt also eine solche Diagnose eines Arztes,
Psychiaters, etc. mit oder hat sie gar selbst getroffen.
So oder so stellt sie für ihn eine Belastung dar und
beeinflusst seine Wahrnehmung, seine Empfindungen und sein Denken, sein
Lebensgefühl und seine Motivation - und somit auch seinen Körperzustand
und
seine Leistungsfähigkeit.
Für mich als Coach bedeutet das, dass ich ihn/sie
genau dort
abhole, seine Symptome und Zustandsbeschreibungen würdige, empathisch
auf seine
Empfindungen eingehe und achtsam nach den Auswirkungen frage, die das
auf
ihn/sie persönlich sowie auf sein soziales System hat.
Natürlich weiß ich, dass das "Burnout Syndrom"
keine allgemein anerkannte und eindeutig klassifizierte Krankheit ist
und
bisher noch, etwas unspezifisch dem Krankheitsbild: "Problemen mit
Bezug
auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung" zugeordnet wird.
Mir ist bekannt, dass die Symptomatik dieses Syndroms mit der von
Depressionen,
Erschöpfungs-Syndrom, Fibromyalgie etc. überschneidet und zudem der
Verlauf
schleichend und oft ohne klar erkennbare Phasen ist.
Also was mache ich als Coach damit?
Wesentlich für mich ist, dass der Klient sich
physisch
schlecht fühlt: Kraftlos, erschöpft, müde, leistungsschwach.
Oft noch belastender sind aber die psychischen Symptome:
Reizbar, depressiv, demotiviert, ängstlich, zurückgezogen, ohne
Lebensfreude,
mit wenig Interesse am Beziehungsumfeld, an der Arbeit und an seiner
Zukunft,
um nur einige typische Symptome zu nennen
Im NLP-Coaching ist ja ein klassischer Ansatz der, dass der
Coach eine Umfokussierung des Klienten bewirkt, mit den simplen Fragen:
"Was willst Du statt dessen?", "Was wünschst Du dir" - oder
auch der Wunderfrage von Steve de Shazer.
Während
diese Fragen oft den Problemhorizont eines Klienten erweitern können
und eine erste Bewegung in seinem Stuckstate bewirken, kann es sein,
dass der Burnout-Klient so "ausgebrannt" ist, dass er
einfach nicht in der Lage ist, sich auf diese Fragen einzulassen.
Selbst
eine provokative Intervention wie: "Was könnte im schlimmsten
Fall passieren oder: Wie lange, glauben Sie, das durchhalten zu
können, verfehlt bei einem Menschen im "seelischen Infarkt"
möglicherweise die erwünschte Wirkung.
Auch typische Ratschläge, z. B. hier aus dem Internet (gefunden auf:
http://web4health.info/de/answers/bipolar-burned-out.htm)
- bemühen Sie
sich, ausgewogen und vernünftig zu Essen, zu Schlafen und für Ausgleich
im
Leben zu sorgen
- Bauen Sie mehr
positive Erlebnisse und Aktivitäten in den Alltag ein.
- Versuchen Sie
neue soziale Kontakte aufzubauen und alte Freundschaften oder
Vereinsaktivitäten / Ehrenamt etc. auszubauen.
- Widmen Sie sich
mehr einem Hobby
- Lernen Sie
Entspannungsverfahren oder Yoga
- Treiben Sie
Sport oder zumindest regelmäßige Spaziergänge / Schwimmen /
Fahrradfahren
sind ja grundsätzlich
nicht verkehrt, aber genau diese Art von Vorschlägen, kennen (zumindest
meine)
Klienten oft zur Genüge, ihnen haben sie wenig genutzt. Teilweise
reagieren
Klienten sogar recht aggressiv abwehrend auf derartige
"Zumutungen".
Als Ursachen dieses Syndroms werden vor allemm Dauerstress und
chronische Überlastung genannt.
Das verleitet
manchen Arzt oder sonstigen Berater zu der
Ansicht, dass es durch eine dauerhaften Reduktion der Stressoren zu
einer
Heilung käme.
Aus meiner Erfahrung (und aus der Fachliteratur) weiß ich
aber, dass es leider so einfach oft nicht ist.
Dann gibt es noch die Fraktion derer, die klugerweise darauf
hin weisen, dass es Überlastung eines Menschen
"eigentlich nicht gibt" - sondern nur: "Nicht
angepasste Bewältigungsstrategien".
Wie wahr, wie wahr. Dann braucht man ja nur noch die
Bewältigungsstrategien passend auf die Anforderungen
maßzuschneidern - und "der Kuchen ist gegessen".
Relativisten haben immer relativ recht, nur hilft dem
Klienten das manchmal so viel, wie die Darstellung der relativen
Bewegung
zwischen Stern X und Stern Y bzw. Stern Z.
Also, was tue ich konkret?
Mein Ansatz beruht auf der Erfahrung, dass Probleme,
Krisen
und chronische Störungen fast nie nur auf dem beruhen, was bekannt und
bewusst
ist. Meist gibt es da ein MEHR .
Maßgebend für die Gesamtbelastung des Menschen ist doch die Summe der bewussten und unbewussten
Lasten.
Und nach dem Eisbergprinzip, sind die Lasten unterhalb der
bewussten Ebene meist die wesentlichen.
Das sind dann erfahrungsgemäß systemische
Belastungen (z. B.
aus dem Herkunftssystem), verborgene Traumata, seelische Verletzungen
aber auch
unerkannte somatische Störungen und andere Ursachen.
Also besteht eine Möglichkeit, diese "Leichen im
Keller" ans Licht zu holen, z. B. mit Hilfe einer systemischen
Aufstellung
und dabei eine mögliche Lösungsstruktur zu finden.
Aus Sicht des Konstruktivisten und
des Hypnotherapeuten ist
Burnout ein Ergebnis der einer vom Klienten erzeugten "Hypnotischen
(Problem-)Trance", einer kalibrierten Endlosschleife in der sich das
Problem durch Rückkopplung verstärkt.
So scheinen mir auch
Methoden der Systemischen Hypnotherapie bzw. der hypnosystemischen
Therapie und verwandter Techniken wie z. B. EHT®,
besonders geeignet zu sein, um sowohl
systemische Strukturstörungen zu erkennen, als auch dysfunktionale
hypnotische
Muster durch Dehypnose oder Reframing zu verändern.
Das
ist jedenfalls mein methodischer Ansatz, der
sich mehrfach praktisch bewährt hat.
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Autor:
Reinhard Kotter
Copy please - mit Angabe des Verfassers. Publiziert auf
www.coaching.praxis.com, 16.04.2012
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